// 100. geburtstag ella sauer

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Einen ganz seltenen runden Geburtstag feierte Gabriele Sauer, genannt Ella: Sie wurde 100 Jahre alt.

Ella Sauer ist die älteste Bürgerin im Ort und Unterpleichfelder Urgestein. Am 26. Juni 1918, der erste Weltkrieg war fast zu Ende, wurde sie im Hause Göpfert als drittes von fünf Kindern geboren. „Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie einen alten Kutscher hatten, der mich am Abend mit dem Kinderwagen zum Einschlafen hin und her schieben musste. Der hat eher geschlafen als ich“, erzählt die rüstige Rentnerin und bringt die Schar der Gratulanten zum Lachen.

Während des zweiten Weltkrieges mussten sie und eine ihrer Schwestern sehr hart auf dem elterlichen Bauernhof mitarbeiten, erinnert sie sich. Die beiden Knechte des Hofes und auch ihr Bruder waren gleich zu Kriegsbeginn eingezogen worden. Ella packte also kräftig an und nach dem Krieg, im Jahr 1946, heiratete sie den zehn Jahre älteren Landwirt Leonhard Sauer aus Unterpleichfeld.  Mit ihm bekam sie  vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne. 1995 starb Leonhard mit 87 Jahren.

Noch heute lebt die Jubilarin auf dem Sauer´schen Anwesen gemeinsam mit Sohn Klaus-Peter, Schwiegertochter Marianne und Enkel Roland, der den Hof weiter betreibt. Wo es geht, packt sie noch immer mit an, vor allem im großen Garten der Familie, aber auch bei der Verarbeitung des grünen Spargels oder beim Kochen.

Ella Sauer ist eine Frau der ersten Stunde. Sie war 1955 die erste Ortsbäuerin in Unterpleichfeld. Aber  von wegen Wahlen, damals sei alles ganz anders gewesen. „Da ist der Ortsobmann zu mir gekommen und hat gesagt: Du machst jetzt die Ortsbäuerin“, erinnert sie sich. Um Gottes Willen, habe sie gesagt, ich hab vier klenne Kinner und ä pflegebedürftige Schiegermutter, wie soll denn des geh? „Oh des mächst du scho, du musst net viel mach“, habe der Ortsobmann daraufhin gesagt.

Und dann hat Ella Sauer einfach gemacht. Couragiert, vielseitig interessiert, fleißig und einsatzfreudig. Kurzerhand machte die junge Ortsbäuerin 1956 den Führerschein. So konnte sie zu Veranstaltungen ins Landwirtschaftsamt oder zu Seminaren fahren und auch andere Landfrauen mitnehmen.

27 Jahre lang war sie mit Leib und Seele Ortsbäuerin, Mitglied der ersten Kreisvorstandschaft und 1972 sogar die erste Gemeinderätin in Unterpleichfeld. „Da bin ich wirklich ins kalte Wasser geschmissen worden“, sagt sie. Zehn Jahre lang gehörte sie dem Gremium an.

Zu ihrem Ehrentag gestern kamen so viele Gratulanten, dass sie gar nicht zählen konnte, darunter auch Bürgermeister Alois Fischer, der stellvertretende Landrat Armin Amrehn und Vertreter der Vereine, in denen Ella Mitglied ist, zum Beispiel beim Obst- und Gartenbauverein, dem Musikverein, dem Sportverein, den Landfrauen und dem CSU-Ortsverband.

Ihren Humor hat die 100jährige bis heute nicht verloren. „Ich kann es nicht leiden, wenn man im Vorfeld schon jammert“, sagt sie. Und auch wenn sie nicht mehr so gut sieht, liest sie jeden Tag die Main-Post. Allerdings erst am Abend, mit Lupe und Tischlampe, denn beim Frühstück ist die Zeitung von den anderen Familienmitgliedern beschlagnahmt.

Und was ist das Geheimnis ihres jugendlichen Elans? „Ich trink jeden Tag mei Schöpple, am liebsten Silvaner oder Rotling. Bis vor ein paar Jahr war´s  ein Schoppen, aber jetzt langt ä Achtele“, erzählt sie schmunzelnd.

Den 100. Geburtstag hat Ella Sauer im Kreis ihrer Familie – sie hat neun Enkel und sechs Urenkel – groß gefeiert.

Text und Foto: Wilma Wolf (Mainpost)

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