// musizieren statt konsumieren

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Pleichachschule in Unterpleichfeld ist eines von vier Musikzentren eines Pilot-Musikprojekts in Bayern

Mit Stolz und Freude hat die Pleichach-Mittelschule auf die Entscheidung einer privaten Stiftung und des Kultusministeriums im Freistaat Bayern reagiert. Die Schule ist für als eine von vier Schulen in Bayern als „Musikzentrum“ ausgewählt worden und wird damit besonders gefördert. Schirmherr ist Kultusminister Ludwig Spaenle.

Für die nächsten beiden Jahre werden neben der Schule im unterfränkischen Unterpleichfeld die Mittelschulen in Forchheim (Oberfranken), Pfarrkirchen (Niederbayern) und Mindelheim (Schwaben) als Pilotschulen von der „Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation“ und vom Kultusministerium gefördert. Die Förderung der Musikzentren in der Pilotphase umfasst drei klassische Konzerte in der Schule pro Schuljahr sowie kostenlosen Gruppenunterricht von Profimusikern für interessierte Schülerinnen und Schüler.

„Musik für Schüler“ heißt das Stiftungsprojekt, das auf Initiative des Stifters Erich Fischer seit 1995 schon viele Mittelschüler im Freistaat zum Musizieren gebracht hat. Seit zwei Jahren unterstützt das bayerische Kultusministerium die Musikinitiative der Stiftung. Seitdem spielen Profimusiker in bayerischen Mittelschulen Klassikkonzerte und erteilen „zum Reinschnuppern“ kostenlosen Instrumental- oder Gesangunterricht.

An diesem Schnupperprojekt mit je drei Einzelstunden pro Schüler hatten im letzten Schuljahr bereits zehn Schüler der Pleichachschule aus der vierten und sechsten Klasse teilgenommen. In diesem Schuljahr startete nun das Pilotprojekt mit den vier Musikzentren ein Bayern. Interessierte Jugendliche werden in Gruppenstunden noch nachhaltiger musikpädagogisch gefördert.

Dass ausgerechnet Unterpleichfeld für das Pilotprojekt Musikzentrum ausgewählt wurde, liegt wohl an mehreren Faktoren. Zum einen kümmert sich Lehrerin Evelin Uehlein mit Herzblut um das Projekt und freut sich, dass sie den Pleichachschülern etwas näher bringen kann, das sie selbst begeistert. „Viele unserer Schülerinnen und Schüler haben noch nie mit klassischer Musik zu tun gehabt. Ich beobachte sie jedenfalls dabei, das sie bei den Konzerten in der Schule gebannt und staunend zuhören“, erläutert sie.

Ein zweiter Punkt hat das Auswahlverfahren möglicherweise begünstigt. Dass sich auf Anhieb 16 Mädchen und Jungs zwischen zehn und 14 Jahren zum elementaren Musikunterricht, zum Klavierunterricht und der Gesangsausbildung in diesem Schuljahr gemeldet haben, spreche für sich. Die erfreuliche Anzahl könne nicht allein daran liegen, dass die Stiftung und das Kultusministerium während der Pilotphase die Kosten für den Unterricht übernehmen. Ohne wirkliches Interesse sei das Durchhalten nicht möglich. „Musik macht einfach Spaß“, behaupten die Schüler nickend.

Der größte Anteil am Erfolg ist sicherlich Hans-Joachim Richl zu verdanken. Der Profimusiker aus Würzburg hat laut Lehrerin Uehlein und Rektor Rudolf Suttner „einen Draht zu den Kindern“, „ein Händchen für sie“. „Er nimmt die Kinder erst und wichtig“, sagen die Lehrkräfte. Dass der studierte Musikwissenschaftler und freiberufliche Pianist „wie ein junger Gott Klavier spielt und singt“ und „den Tag schöner macht, wenn seine Musik durch das Haus klingt“, komme dazu. Richl ist Vollblutmusiker und bekannt von seinen Auftritten in „Meyer’s Pianobar“ und im „Caféhaus Brückenbäck“ in Würzburg, in der oberen Mühle in Uffenheim, auf dem Traumschiff MS. Deutschland, bei Fränkischen Volksmusikveranstaltungen und vielen anderen gesellschaftlichen Engagements.

Dass ein Profi wie Richl regelmäßig zu „blutigen Anfängern“ in die Pleichachschule kommt, ihnen den Violin- und Bassschlüssel oder das Notenliniensystem erklärt, die Einteilung der Klaviatur erläutert und zeigt, wie man überhaupt auf einem Klavierstuhl sitzt oder die Hände auf die Tasten legt, kann man kaum glauben. Dabei genießt es Richl, „dass ich mit meinem Klavier- und Gesangsunterricht etwas vermitteln kann, das mir am Herzen liegt“. Für ihn ist gute Musik „ein Breitbandantibiotikum“ und damit ein Allheilmittel gegen Stress und Kummer. „Ich möchte rüber bringen, was mich erfüllt“, beschreibt Richl seine Passion.

Die Stiftung und das Kultusministerium hoffen auf „rege Wahrnehmung der Initiative durch ortsansässige Firmen und Sponsoren“. Ministerialrat Michel Weidenhiller, der Leiter des Referats Kulturelle Bildung im Bayerischen Kultusministerium, erläutert das Ziel des Musikprojekts. Es soll „sukzessive in die regionale Verantwortung abgegeben werden“. Die Projektpartner erhoffen sich insbesondere die Unterstützung mittelständischer Ausbildungsbetriebe. Hier hätten sie die Chance, die spielerisch vermittelte Wertebildung der jungen Menschen zu fördern. Stiftungsvorstand Jürgen Dorn fügt hinzu: „Es ist erwiesen, dass gemeinschaftliches Musizieren Kindern und Jugendlichen wichtige Anregung und Perspektive weit über das Musikerlebnis hinaus bietet“.

„Mittelschule kann auch Klassik – und das richtig gut“, werben die Projektpartner und setzen unter der Devise „Musizieren statt Konsumieren“ weiter auf ihre klassischen Konzerte und Ausbildungen auf höchstem Niveau. Am 21. Oktober war das jüngste Klassikkonzert in der Mittelschule, das die Künstler Anton Roters (Violine), Georg Roters (Klavier) und Johannes Erkes (Viola, Musikalischer Leiter der Stiftung) für alle Schülerinnen und Schüler der 5. bis 7. Klasse sowie für die Mädchen und Jungs der 8. und 9. Klasse gespielt hatten, die Musik gewählt haben. Werke von Mozart, Beethoven oder Händel standen auf dem Programm. Am 13. und 27. November kommen Profimusiker zu weiteren internen Konzerten in die Pleichachschule. „Wir freuen uns schon riesig“, strahlt Lehrerin Uehlein.

(Text und Bild: Irene Konrad)


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